Donnerstag 23. Mai 2013
9. Mai
Zugabe Johannes Brahms Sechs Lieder op. 86 Nr. 2: "Feldeinsamkeit" (arr. für Cello und Klavier) Im wunderschönen Monat Mai Es gibt einige renommierte Cello Wettbewerbe, aber keiner hat solche Bedeutung wie der alle 4 Jahre stattfindende Tschaikowsky Wettbewerb. Dessen Gewinner stehen alle Türen der Konzertsälen offen. So ist auch Johannes Moser ergangen, als er 2002 den Wettbewerb gewann. Inzwischen konzertiert er als gefeierter Star rund um die Welt. Für mich war es das ersten Mal, sein Solo Konzert zu besuchen. Kammermusik höre ich am liebsten ohne Orchester Begleitung im kleinen Saal. Johannes Mosers Programm besteht überwiegend aus Stücken, die im 20 Jahrhundert uraufgeführt wurden. Solche Stücke genießen nicht unbedingt große Popularität des breiten Publikums. Man sollte aber keine Berührungsängste vor zeitgenössischen Werken haben. Auch diese haben ihre Reize. Der Hörer braucht etwas länger Zeit um diese Musikkunst kennen zu lernen. Äußerlich wirkt Moser unterkühlt und charismatisch, aber mundfaul ist er nicht. Vor Beginn der Sonate von Benjamin Britten erklärte der Cellist die Entstehung des ersten Satzes "Dialogo". Britten und sein Lebensgefährte, der Tenor Peter Pears, gerieten einmal in folgende Situation: Zwei Menschen führen Konversation, diese eskaliert und in jenem Moment drohte es zu überborden. Diese Erfahrung dient als Atmosphäre dieses Satzes. Inspiriert wurde die c-dur Sonate durch den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch (1927-2007), der als Widmungsträger dieses Werk am 7. Juli 1961 im Aldeburgh Festival uraufführte. Interessant in dieser Sonate ist, dass es vielfältige Deutungsmöglichkeit gibt. Moser präsentierte sie temperamentvoll, stark kontrastierend mit verschiedenen Klangfarben. In exponierten Stellen des ersten Satzes allerdings wurde es doch nach meinem Geschmack etwas zu stürmisch. Ich glaube, die Schwierigkeit dieses Satzes liegt darin, dass der Interpret die Situation trotz ihrer Heftigkeit nicht auf die Spitze treiben sollte. Sonst müsste dieser Satz nicht "Dialogo", sondern "Streit" sich nennen:-) Lustig war, dass es im gestrigen Konzert nicht nur die Musik der Instrumentalisten zu hören gab. Sondern ein ziemlich lautes Vogelgezwitscher lockerte die Atmosphäre auf. Während der Cellobogen behutsam den letzten Takt des ersten Satzes im Pianissimo strich, sang der Vogel da draußen im Fortissimo. Da schüttelte der Cellist den Kopf. Na ja, Vogelgesang kann man nicht verbieten. Nach der Pause sprach Moser wieder über die Sacher Variation von Lutoslawski: Das Stück wurde anlässlich des Geburtstages Paul Sachers, Dirigent und Mäzen, geschrieben. Es basiert auf einem sechstönigen Thema, das sich vom Namen Sachers ableitet: eS, A, C, H, E, Re(auf Deutsch D). Dann teilte der Cellist dem Publikum mit, dass Gestern der 180 Geburtstag von Brahms war. Brahms e-moll Sonate, die als letztes im Programm vorgetragen wurde, war für mich die beeindruckendste des gestrigen Konzertes. Johannes Moser lässt den Lyrismus der Sonate nicht dominieren. Viel mehr kümmert er sich darum, die architektonische Struktur des gesamten Werkes herauszukristallisieren, welche bravourös gelang. Der Pianist Paul Livinius ist ein exzellenter Kammermusikpartner. Allerdings hält er sich in seinem Part zurück. Auf den frenetischen Applaus antwortete das Duo mit einem Lied von Brahms als Zugabe. Johannes Moser bedankte sich für die Einladung nach Schwetzingen. Ich wünsche mir, auch im nächsten Jahr ihn wieder im Schlosssaal zu hören. Übrigens hatte ich zuvor den Klang des prachtvollen Cello von Moser, Guarneri Baujahr 1694, nur in einem hallenartigen großen Saal unter der Begleitung des Orchesters gehört. Im kleinen Schloss Saal mit ausgezeichneter Akustik klingt dieses Instrument umso prachtvoller. Es hat einen warmen, samtweichen, und unglaublich voluminösen Klang. In meinen Ohren klingt immer noch die Klangwucht der Anfangsakkorde im letzten Satz der Sonate von Poulenc. Johannes Mosers weitere Solo Konzerte sind erst im Dezember zu erleben. 3. Dez. 2013 Köln Musikhochschule 8. Dez. Baden-Baden Festspielhaus 20. Dez. Bonn, Beethoven-Haus Programm: Debussy Cellosonate d-Moll Lutoslawski Grave-Metamorphosen für Cello und Klavier Britten Cellosonate in C op. 65 Pärt Spiegel im Spiegel F-Dur Schostakowitsch Cellosonate d-Moll op. 40 Klavier: Andrei Korobeinikov Fotos: lotus-eater Moser mit seinem prächtigen Cello, Guarneri 1694
16. Mai
Sein Name war angekündigt – nur das Programm seines Auftritts beim Klavier-Festival Ruhr am 3. Juni blieb der polnische Spitzenpianist Krystian Zimerman seinem Publikum schuldig. Dieses hat er nun nachgereicht: In der Essener Philharmonie zu hören sind Meisterwerke der Romantik und des Impressionismus. Eröffnet wird der musikalische Reigen mit dem farbenreichen Zyklus „Estampes“ von Claude Debussy, gefolgt von Brahms stürmischer zweiter Klaviersonate fis-Moll. Mit einer Auswahl aus dem ersten Band der Préludes geht es wieder weiter mit Debussy; seinen Abschluss findet der Abend mit den „Variationen über ein polnisches Volksthema“ von Zimermans Landsmann Karol Szymanowski. Der perfektionistische Musiker reist dabei wie immer mit seinem eigenen Instrument ins Ruhrgebiet. Informationen unter www.klavierfestival.de .
Wie soll man das als Rezensenten seinen Lesern klar machen, dass diese CD mit zum Besten gehört, was ich in diesem Jahr bislang gehört habe? Das CD-Cover strahlt in den Farben einer Lidl-Tütensuppe und zeigt ein Motiv, das man eher mit der Werbung für eine U-Bahn-Betreibergesellschaft verbinden würde, als mit dem Werk von Johannes Brahms. Trotzdem: Glauben Sie mir, diese CD lohnt es, gehört zu werden. Wohl wahr: So unansehnlich wie sie ist, wird man sie kaum verschenken können. Daran hat das Label sicher gedacht, als es dieses Coverartwork entwarf und wird mit den dadurch entgangenen Umsatzverlusten sicher leben können.
13. Mai
Johannes Brahms gehört zu den Leitsternen in der künstlerischen Arbeit des niederländischen Dirigenten Bernard Haitink. Vor allem die Sinfonien der Meisters haben sein Schaffen über die Jahre hinweg begleitet, was sich auch diskographisch in drei Gesamtaufnahmen (mit dem Concertgebouw Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra und dem London Symphony Orchestra) niedergeschlagen hat. Mit dem Chamber Orchestra of Europe ist Bernard Haitink nun am 4. und am 6. Juni im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper zu hören, wo er auf zwei Abende verteilt mit den vier Sinfonien von Brahms zu hören ist: am 4. Juni mit der dritten und ersten Sinfonie, am 6. Juni mit der zweiten und vierten. Die Konzerte finden im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Impuls Romantik“ statt. Seine Entscheidung für die Wahl des Kammerorchesters begründet der Dirigent wie folgt: „Diese Besetzung lässt sich historisch rechtfertigen. Brahms’ bevorzugtes Orchester, die damals führende Meininger Hofkapelle, hat ungefähr gleich viele Mitglieder umfasst. Mit der kleineren Besetzung lässt sich beispielsweise die reiche Polyphonie der Brahms’schen Musik leichter verdeutlichen, Strukturen werden klarer hörbar, das Klangbild transparenter.“ Weitere Informationen und Tickets unter www.alteoper.de .
7. Mai
Domenico Scarlatti (1685-1757) gilt als einer der wichtigsten Erneuerer der Cembalomusik. Die phantasievollen Ideen und harmonischen Erweiterungen und Neuerungen in seinen 555 Sonaten (!) brachten ihm die posthume Bewunderung folgender Generationen von Pianisten-Komponisten wie Chopin, Brahms, Bartók, Shostakovich usw. ein. Seine Sonaten ‘funktionieren’ allerdings nicht nur auf dem Cembalo, sie lassen sich hervorragend auf andere Instrumente übertragen, wo sie dann neue, ungeahnte Facetten der oft unterschätzten Musik Scarlattis freilegen. Für die vorliegende 5-CD-Box wurden einige exemplarische Sonaten Scarlattis zusammengefasst, die am Cembalo, am modernen Konzertflügel, an der Gitarre, an der Harfe und am Akkordeon von fünf ausgewiesenen Meistern ihres Fachs eingespielt wurden: Der Cembalist Pieter-Jan Belder gewann im Jahr 2000 den internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig, der Pianist Michelangelo Carbonara wurde beim internationalen Schubert-Wettbewerb in Dortmund ausgezeichnet, der Gitarrist Luigi Attademo war einer der Preisträger beim Genfer Concours International d’Exécution Musicale 1995, die Harfenistin Godelieve Schrama erhielt 1996 den Niederländischen Musikpreis und die Akkordeonistin Mie Miki gewann 1997 einen japanischen Record Academy Award. Die Aufnahmen entstanden 1997 (Godelieve Schrama, Mie Miki), 1998 (Luigi Attademo), 2007 (Pieter-Jan Belder) und 2009 (Michelangelo Carbonara), teilweise als Eigenproduktion, teilweise wurden für diese Zusammenstellung Lizenzaufnahmen des renommierten Labels Challenge Classics (Schrama, Miki) übernommen. Es ist faszinierend nachzuvollziehen, wie gut sich Scarlattis Sonaten auf andere Instrumente übertragen lassen, ohne nach verzerrenden (oder zweitrangigen) Transkriptionen zu klingen: Was ursprünglich fürs Cembalo geschrieben wurde, lässt sich offenbar ohne größere Eingriffe sowohl auf Tasteninstrumente (Klavier, Akkordeon) als auch auf Saiteninstrumente (Gitarre, Harfe) übertragen. Mehr noch, was als Quintessenz der barocken Cembalo-Kultur entstand, wirkt auf anderen Instrumenten zeitlos, von gleichsam mathematisch-logischer Ordnung und filigran ausgearbeiteter Schönheit: Jedes Ergebnis klingt stets nach originalem Scarlatti – und gleichzeitig aufregend neu. Die vorliegende 5-CD-Box bietet einen exzellenten Einstieg in die Klangwelt Scarlattis, die mit ihrer klanglichen und interpretatorischen Bandbreite Scarlatti für (fast) jeden Gusto und für (fast) jede Situation zusammenfasst. Musik & InterpretationKlangqualitätCover & Booklet Die 5-CD-Box Domenico Scarlatti: Sonatas – Performed on the harpsichord, piano, guitar, harp and accordion mit Aufnahmen von Pieter-Jan Belder (Cembalo), Michelangelo Carbonara (Klavier), Luigi Attademo (Gitarre), Godelieve Schrama (Harfe) und Mie Miki (Akkordeon) ist am 26. April 2013 auf Brilliant Classics (9436) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden. Weitere Infos zur Domenico Scarlatti: Sonatas sowie die komplette Tracklist findet man auf der englischsprachigen Produktseite: http://www.brilliantclassics.com/release.aspx?id=FM00434593
3. Mai
Seit zwölf Jahren ist das schweizerische Freiburg ein Treffpunkt für die Verehrer des Kunstlieds. Damals wurde das Festival du Lied gegründet, das sich ganz dieser intimsten Form der Vokalmusik verschrieben hat. Auch 2013 werden unter dem Motto „Sehnsucht“ vom 1. bis zum 9.Juni im Konzertsaal Equilibre sieben Liederabende veranstaltet, welche die Crème de la crème der Sänger in das idyllische Städtchen bringen. Florian Boesch interpretiert mit dem Pianisten Justus Zeyen und Thomas Quasthoff als Rezitator Brahms' „Schöne Magelone“ , Michael Schade gibt – ebenfalls mit Justus Zeyen am Flügel – ein buntes Programm zwischen Beethoven, Weber, Tomasek und Schubert zum Besten, und Bernarda und Marcos Fink bieten mit Brahms, Schumann und Schubert sowie argentinischen Vokalwerken von Piazzolla, Buchardo und Guastavino einen ungewöhnlichen Mix aus europäischer Romantik und südamerikanischer Moderne, unterstützt vom Pianisten Anthony Spiri. Eher dem französischen Repertoire ist das Konzert von Festivalleiterin Marie Claude Chappuis verpflichtet, neben Brahms erklingen hier Werke von Satie, Bizet und Chausson, und mit einem russischen Abend kommt das Festival zum Abschluss: Die Sopranistin Alex Penda bringt Lieder von Glinka, Rachmaninow, Tscherkin und Pipkov zu Gehör, begleitet vom Pianisten Semjon Skigin. Karten und weitere Informationen erhalten Sie unter Tel. +41/26 350 11 00 oder www.festivaldulied.ch
Luise Adolpha Le Beau (1850-1927) - Kornblumen und Heidekraut (Wiebke Hoogklimmer, Contralto - Patrick Walliser, Piano)
Brahms Intermezzo A Major Op 118 No 2 Lupu Rec 1976.wmv
Brahms Hungarian Dance No 7 Maxim Vengerov
Filmreportage [EN]
KCO: Christoph Eschenbach
Große Komponisten der klassischen Musik
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